Kunststoffe sind ein selbstgeschaffenes Problem der Menschheit, für das es schnellstmöglich Lösungen zu finden gilt. Nach aktuellen Messungen bestehen bis zu 85 Prozent des an EU-Stränden angespülten Abfalls aus Kunststoff. Etwa die Hälfte davon sind entsorgte Einwegprodukte wie Strohhalme.

Plastikstrohhalme schaden der Umwelt massiv. Das wurde in den letzten Monaten zur Genüge in den Medien diskutiert und besprochen. Spätestens 2021 ist damit Schluss. Viele Gastronomen erproben bereits jetzt Alternativen aus Glas, Metall oder Zellstoff – oder verzichten sogar ganz darauf, Getränke mit Strohhalm anzubieten.

GESUCHT: ALTERNATIVEN ZU PLASTIKTRINKHALMEN

Am Markt sind mittlerweile jede Menge biologisch abbaubare Alternativen zu Plastiktrinkhalmen erhältlich, zum Beispiel aus recyceltem Papier oder kompostierbarem Bioplastik auf der Basis von Maisstärke, wie sie beispielsweise Biofutura anbieten. Weiterhin handelt es sich dabei aber um einen Wegwerfartikel. Nachhaltiger sind da Halmvarianten, die wiederverwendet werden können.

DER TREND GEHT ZUM WIEDERVERWENDBAREN TRINKHALM

Groß im Kommen sind daher Trinkhalme aus Edelstahl. Sie sind spülmaschinenfest, bruchsicher, BPA-frei und recycelbar. Zudem lassen sie sich durch Erhitzen sterilisieren. Viele Vorteile, die für diese Modelle sprechen. Allerdings beeinflussen sie den Geschmack der Drinks und es ist nicht ersichtlich, ob die Halme nach dem Spülgang tatsächlich rückstandlos sauber geworden sind.

Bei Strohhalme aus bruchsicherem Glas, wie sie vom Berliner Unternehmen HALM angeboten werden, besteht dieses Problem nicht. Auch sie wirken edel im Drink und sollen bis zu 1.000 Spülgängen standhalten. Ein weiterer Vorteil im Vergleich zu Halmen aus Edelstahl oder Zellstoff ist ihre Geschmacksneutralität. Sie verfälschen also nicht die Kreationen der Barchefs. Außerdem können sie im Altglas entsorgt und recycelt werden.

Glastrinkhalm von HALM

Glastrinkhalm von HALM

Gleich, ob Edelstahl oder Glas, bei der Herstellung wird jede Menge Energie benötigt und auch die Reinigung der Plastikalternativen bedeutet für Gastronomen mehr Aufwand.

ESSBARE UND BIOLOGISCH ABBAUBARE HALM-ALTERNATIVEN

Eine plastikfreie, essbare Alternative stellt das Start-Up Unternehmen Wisefood her: Ihr Superhalm (früher bekannt als Eatapple) besteht größtenteils aus den Tresterrückständen der Apfelsaftproduktion. Er ist 60 Minuten im Getränk stabil und kann nach dem Trinken gegessen werden. Etwas länger halten die Makkaroni, die eine Bäckerei aus Bielefeld statt Plastikhalmen im Getränk serviert. Glutenfrei sind die Getränke damit allerdings nicht mehr.

Auf Helgoland greifen Gastronomen hingegen auf die Urform des Trinkhalms zurück und verwenden in der Tat Strohhalme aus Roggen in Bio-Qualität. Diese sind für die Gastronomie geeignet und sind zu 100 Prozent ökologisch abbaubar. Das Unternehmen Strohmi begann bereits vor 20 Jahren mit der Überzeugungsarbeit, die nun endlich Früchte trägt. Über fünf Millionen Halme wurden schon produziert und die Nachfrage ist enorm.

Echter "Strohhalm" von Strohmi

Echter „Strohhalm“ von Strohmi

HACCP-RICHTLINIEN BEACHTEN

Achtung: Trinkhalme aus schnell nachwachsendem, biologisch abbaubarem Bambus, gelten als besonders ökologische Alternative zu Plastikhalmen, dürfen nach HACCP-Richtlinie aber nicht in gastronomischen Betrieben eingesetzt werden. Auch Silikonhalme sind keine wahre Alternative zu Plastikhalmen, da einige Modelle BPA enthalten, Silikon weder biologisch abbaubar noch recyclebar ist und die Reinigung des weichen Materials schwer fällt.

Fazit: Der Verzicht auf den Halm im Drink ist die wohl nachhaltigste Variante, um Plastik zu reduzieren, ohne weitere Ressourcen anzugreifen. Gastronomen sollten sich also die Frage stellen, ob es tatsächlich einen Bedarf gibt – oder einfach ihren Gästen die Wahl lassen. Es ist erstaunlich, wie viele Gäste den Trinkhalm nicht mal vermissen.

Text: Carina Jürgens