Mit Prognosen will Prognolite die Umsatz- und Personalplanung der Gastronomie verbessern. Zum Einsatz kommen Algorithmen, in denen das Kassenjournal mit weiteren Daten wie Wetter und Jahreszeit in Beziehung gesetzt wird. Letztlich geht es also um „Big Data“. Das 2016 gegründete Startup bringt der Gastronomie die statistische Auswertung im großen Stil. So soll am Ende weniger Essen und mehr vom Rechnungsbetrag übrig bleiben.

Umsatz- und Personalplanung gekonnt aufeinander abzustimmen, ist eine der größten Herausforderungen einer funktionierenden Gastronomie. Zu oft müssen die Umsätze der „guten Tage“ die Schlechtwetterzeiten subventionieren, weil zuverlässige Prognosen fehlen. Dabei haben Digitalisierung und Big Data in anderen Branchen längst Lösungen für derlei Probleme gefunden – mindestens wird daran gearbeitet. Prognolite schickt sich an, Big-Data-Prinzipien in der Gastronomie nutzbar zu machen. Das Ziel: effizienter Lebensmitteleinkauf und dadurch Reduktion von Foodwaste und Beschaffungskosten sowie passgenaue Mitarbeiterplanung – von der nicht zuletzt auch die Gäste profitieren, weil Spitzen berücksichtigt und Wartezeiten reduziert werden können.

Ideengeber für Prognolite war Simon Michel, der sich über unendliche Warteschlagen in Schweizer Bergrestaurants wunderte und dessen berufliche Aufgabe zur gleichen Zeit darin bestand, Prognosen für den Stromverbrauch in der Schweiz zu erstellen. Die Frage lag auf der Hand: Warum solche Prognose-Prinzipien nicht auf die Gastronomie übertragen? Zusammen mit Webentwickler Roman Lickel gründete er gen dafür 2016 Prognolite.

Partner und Testobjekt Juckerhof

Den richtigen Partner in der Branche fanden die beiden Gründer mit dem Juckerhof bzw. der Juckerfarm AG. Dazu gehören drei Erlebnisbauernhöfe mit eigenen Hofläden, zwei von ihnen mit Hofrestaurant und Eventlocations für Hochzeiten, Geburtstage, Teamevents und Seminare, betreut von einer eigenen Eventagentur. Kurzum: der perfekte Ort, um eine Vielzahl von Indikatoren aufzustellen, die situationsabhängig mehr oder weniger großen Einfluss auf Umsatz und Personaleinsatz haben.

Weitere Partner des jungen Startups sind die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften bzw. dessen Startup Incubator, sowie das Startup Support Programm BizSpark aus dem Hause Microsoft und die SV Group Schweiz, eine Gastronomie und Hotelmanagement-Gruppe.

Von der Basisprognose zur Indivdualprognose

Wie bei jeder Big-Data-Anwendung gilt auch für Prognolite: Je mehr Input die Software bekommt, desto zuverlässiger und präziser werden die Ergebnisse. Für die Basisauswertung dient das Kassenjournal, der zusätzlich mit den Faktoren Wochen-, Feier- und Ferientage sowie Wetter und Saison in Beziehung gesetzt wird. Diese Prognose ist jedoch nicht mehr als eine Annäherung. Interessant und wirklich leistungsfähig wird ein solches Programm erst für den, der es auch mit Reservationen, Menüs, Veranstaltungen und möglicher Konkurrenz füttert. Eine tatsächliche Verbesserung der Planung dürfte dann, abhängig von der Ausgangsdatenlage relativ schnell zu erzielen sein.

Dass diese und vergleichbare Software mehr und mehr Einzug halten wird, steht außer Frage. Viele Gastronomen dürften allerdings zögern, einem weiteren Dienstleister, neben beispielsweise dem Anbieter eines Online-Reservierungssystems und eines Kassensystems (trotz aller GoBD-Konformität), derart viele relevante Daten gebündelt zur Verfügung zu stellen. Doch wenn durch die Prognosen erste, wirkungsvolle Effekte erzielt werden, ist das nur eine Frage der Zeit. Wenn die Mitarbeiter dadurch weniger Spontanschichten schieben müssen, die Gäste besseren Service erfahren und am Ende noch weniger Nahrungsmittel verschwendet werden, ist Prognolite im Kern kein schlechter Ansatz.

Foto: Prognolite