Strafen für übrig gebliebenes Essen und Apps, die nicht verkaufte Gerichte zum Sonderpreis anbieten: Damit weniger Essen im Müll landet, setzen Restaurants auf neue Ideen

Etwa eine Million Tonnen Lebensmittel werfen Restaurantbetreiber in Deutschland jedes Jahr in den Müll. Das liegt nicht nur daran, dass man nie genau weiß, wie viele Gäste an einem Tag kommen und was genau sie essen werden, sondern auch daran, dass viele ihren Teller nicht aufessen. Vor allem bei All-you-can-eat-Aktionen landen oft Berge an genießbarem Essen im Müll.

Als Reaktion darauf, gehen einige Restaurants nun einen ungewöhnlichen Weg: Sie lassen ihre Gäste nicht einfach mit schlechtem Gewissen aus dem Restaurant schlendern, wenn ihre Augen zu groß waren, sondern mit ein paar Euros weniger in der Tasche.

Wer nicht aufisst, muss zahlen

Bisher mussten wir uns höchstens vor Regen am nächsten Morgen fürchten wenn wir unsere Teller nicht aufgegessen haben. Anders im Restaurant Yuoki von Guoyu Luan in Stuttgart. Wer dort bei bestimmten Menüs nicht aufisst, muss einen Euro Strafe zahlen und das pro Teller, den er übrig lässt. So möchte der Restaurantbesitzer Guoyu Luan überflüssige Essensreste vermeiden und an den Besucher appellieren, sich vorab Gedanken zu machen, wie viel Essen er bestellt.

Das funktioniert so: Beim Menü „Taste 120“ dürfen seine Gäste à la carte, zwei Stunden so viel essen, wie sie können; bestellt wird elektronisch mit einem Tablet. Erlaubt sind höchstens fünf Gerichte pro Bestellung. Am Ende fragt Guoyu Luan, ob aufgegessen wurde. Falls noch größere Essensreste auf den Tellern zu finden sind, werden Straf-Euros auf die Rechnung geschrieben.

Das Restaurant ist trotzdem voll

Eine Ausnahme wird gemacht, wenn das Gericht nicht geschmeckt hat. Der Inhaber möchte seine Kunden nicht verärgern. Um Profit geht es ihm nicht. Die Straf-Euros werden für gemeinnützige Zwecke gespendet. Guoyu Luans Absicht ist es, den Müllbergen entgegenzuwirken, die oft übrig bleiben, weil viele Restaurantbesucher sich den Teller zu voll laden. „Es heißt „All you can eat“ und nicht „All you can wegschmeißen“, erklärt er.

Die Vorgehensweise zeigt zumindest Wirkung: Im Yuoki bleibt es am Ende des Abends bei nur einem Müllbeutel. Aber wie kommt das bei den Leuten an? ’’Schwachsinn!’’ sagt ein Passant in der Stuttgarter Königsstraße. ’’Gut, zu viel essen wird weggeschmissen’’ äußert sich eine junge Frau. ’’Arge Bevormundung’’ meint ein dritter. ’’Man wird ohnehin schon soviel bevormundet, da muss es da nicht auch noch sein.’’

Die Meinungen sind gemischt, dennoch ist das Restaurant gut besucht: Auf der Webseite des Yuoki wird man darauf hingewiesen, mindestens zwei Tage vor dem geplanten Besuch einen Tisch zu reservieren.

Essen-Retten per App und zum Vorzugspreis

Auch andere Restaurants in Deutschland bedienen sich der Erhebung von Strafen, wenn man seinen Teller nicht aufgegessen hat. Im Yangtse in Hürth bezahlt der Gast sogar zwei Euro für übrig gebliebenes Essen. Weitere Restaurants sind das Okinii in Düsseldorf, das Mahlzeit-live in Hamburg, der Löwenpark in Gelsenkirchen und das Himalaya in Menden.

Die Absicht, weniger Essen wegzuschmeißen, findet auch in anderen Denkweisen ihren Weg. Mit den Apps Too Good to Go, ResQ und Mealsaver kann man bei Restaurants ganze Gerichte ordern, die nicht verkauft wurden und sonst im Mülleimer landen würden. Mit den beiden Apps kann man sich orten lassen, oder seine Postleitzahl eintragen. Daraufhin werden Restaurants in der Nähe angezeigt, die Essen übrig haben für die sie keine Verwendung mehr haben. Die Preise liegen bis zu sechzig Prozent unter dem Normalpreis.

Foto: Restaurant Yuoki. Autorin: Barbara Bork. Dieser Beitrag ist zuerst im Magazin von Good Impact erschienen, der Plattform für gutes Leben und gesellschaftlichen Wandel.