Im Sommer 2018 eröffnete am Görlitzer Park in Berlin eines der nachhaltigsten Gastronomiekonzepte Deutschlands: „Dingsdums“ verkauft Dumplings aus geretteten Lebensmitteln. Mit neuen Produkten und einem Onlineshop startet das vielfach ausgezeichnete Konzept jetzt durch.

Gewinner des Förderpreises „Zu Gut Für die Tonne“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft 2018, Sieger in der Kategorie „Zero Waste“ beim „Next Organic Startup Award 2019“, Gewinner des „METRO-Preises für nachhaltige Gastronomie“ 2019 und Zweitplatzierter beim Nachhaltigkeits-Wettbewerb „WeltverbEsserer“ 2019 – das „Dingsdums“ in Berlin-Kreuzberg ist keine zwei Jahre alt und hat schon eine Menge Preise für sein besonderes Konzept erhalten.

Der kleine, schmale Store am Görlitzer Park verkauft Dumplings – was erst einmal nichts Besonderes ist, wären diese nicht aus „geretteten“ Lebensmitteln hergestellt: Die Teigtaschen werden gefüllt mit Zutaten, die man unter anderem von Sirplus bezieht, einem Berliner Supermarkt-Konzept, das überschüssige Lebensmittel zu einem deutlich reduzierten Preis verkauft und sie so vor dem Weg in die Tonne rettet. Ebenso nimmt man von der Metro und anderen Premium-Händlern solche Ware ab. Im Speisenprogramm von „Dingsdums“ befinden sich zum Beispiel Dumplings mit Spinat und Hähnchen, Seelachs und Trüffelkartoffeln oder Ingwer und Koriander –  gefüllt, es gibt Teigtaschen mit Schweinefilet, gebadet in Senfmarinade oder auch tiefschwarze Dumplings, gefärbt mit Tintenfischfarbe. Das Angebot richtet sich – klar – je nach dem, was gerade gerettet werden konnte. Der Clou an der Sache ist: Einmal gerettet, ist der Kampf gegen die Zeit (bzw. gegen den Verderb) gewonnen, denn die frisch gefalteten Dumplings werden sofort schockgefrostet und warten in der Kühlung auf ihren Einsatz.

Neue Dumpling-Karte, Kurse und Onlineshop

Damit es für den Gast vor Ort nicht zu kompliziert ist und es bei großem Andrang im kleinen Shop schneller geht, haben die beiden Betreiber*innen Mauritz Schröder und Ann-Kathrin Wohlrab die Prozesse Anfang 2020 glatt gezogen und die Karte etwas umgestellt: Statt bis zu acht Dumplings gibt es jetzt immer drei in verschiedenen Mengen – in Bowls à 4, 6 und 10 Stück, sodass die Gäste je nach Hunger und Gruppenanzahl wählen können. Zusätzlich gibt’s Beilagen wie Tornadokartoffeln, Koriandersalat oder Misosuppe im Wechsel je nach „Sirplus-Saison“. Auch die Dumplingform wurde noch einmal angepasst auf eine Größe, die sich mit der eigens dafür angeschafften Maschine herstellen lässt. Für besondere Anlässe wie Caterings und Empfänge, die „Dingsdums“ oft mit seinen besonderen Teigtaschen – und eigenem Food-Anhänger – bespielt, wird je nach Wunsch auch noch von Hand gefaltet – und wie das funktioniert, bringt man Interessierten neuerdings mit eigenen Kursen bei, in denen die Teilnehmer*innen zum „Dumplingmaster“ werden. „Beim gemütlichen Wegfalten kommen die Leute miteinander ins Gespräch, es macht ihnen viel Spaß“, berichtet Gründerin Ann-Kathrin uns.

Der Verkauf im eigenen Imbiss, Catering und Kurse, das sind schon einmal drei Geschäftswege und ein vierter ist kürzlich auch gestartet: der eigene Onlineshop. Damit können sich Dumpling-Fans und Lebensmittelretter ihre Teigtaschen bestellen und dann vor Ort in der Wiener Straße 34 tiefgekühlt abholen, um zu Hause in der Pfanne oder im heißen Wasserbad zubereitet zu werden. Demnächst will man seine Tiefkühlware auch in ausgewählten Geschäften verkaufen. So kommen immer mehr Menschen in den Genuss der geretteten Dumplings – und wer weiß: Wenn „Sirplus“ wie geplant bald in die nationale Expansion geht, dann gehen die Dumplings aus den geretteten Lebensmitteln, in Kreuzberg zu einem leckeren Produkt verfeinert, bald auf Deutschlandreise.

Nachhaltigkeit gesamtheitlich gedacht

Nachhaltigkeit spielt für „Dingsdums“ aber auch über das Kernprodukt hinaus eine große Rolle – die Dumplings werden in biologisch abbaubaren Verpackungen „to go“ verkauft, die Sitzkissen im kleinen Gastraum sind aus recyclten PET-Flaschen, die Stühle hat man aus nachwachsendem Holz selbst gebaut, die Tischlampen für den Außenbereich beziehen ihre Energie autark aus einem Solardeckel. „Wir sind mit dem nachhaltigen Lebensmittel gestartet und betrachten jedes Thema bei uns nach diesem Aspekt“, erklärt Gründer Mauritz, „aber wir schauen auch auf die Wirtschaftlichkeit: Was können wir uns als junges Unternehmen leisten?“ Ein E-Auto für den Transport ist derzeit noch nicht drin, für größere Strecken bleibt es bis dahin bei einem herkömmlichen Dieselfahrzeug.

Reinigung mit biologisch abbaubarer Allzweckwaffe

Für die Reinigung aber ist man bereits auf ein nachhaltiges Produkt umgestiegen und das, obwohl es im Anschaffungspreis über dem Standard liegt: GRŸN, ein zu 100 % biologisch abbaubares Reinigungsmittel-Hochkonzentrat, das speziell für den Profibereich wie die Gastronomie entwickelt wurde. Als „Allzweckwaffe“ will es nichtnachhaltige Fett-, Fliesen-, Edelstahl- und Kalkreiniger ersetzen. „Wir waren schon kritisch: Macht das richtig sauber?“, berichtet Anna. Der Test ergab: absolut. Man ist sehr zufrieden. Seitdem reinigt „Dingsdums“ sämtliche Oberflächen damit, auch im Anhänger, sogar die Teigmaschine wird damit grundgereinigt und anschließend desinfiziert. Zwar liegt der Anschaffungspreis über anderen Produkten. Als echtes Hochkonzentrat ist es jedoch deutlich ergiebiger und mit maximal 50 Cent pro Liter (Hersteller-Info) zusammen mit diversen anderen Vorteilen im Endeffekt sogar günstiger als die meisten Alternativen.

Sowohl Dingsdums als auch GRŸN sind Mitglieder der Greentable-Initiative – einmal Restaurant, einmal Lieferant.

Mehr Infos:
www.dingsdums.de
www.gryn.info

Text und Fotos: Jan-Peter Wulf