Eine Studie zeigt: Für jeden Dollar, der eingesetzt wird, Essen zu retten, fahren Unternehmen 14 Dollar Gewinn ein. Dabei geht es um mehr als nur das Essen.

Ein Drittel der jährlich für Menschen produzierten Lebensmittel wird nie gegessen. Das besagen offizielle Schätzungen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO). Das hat nicht nur mit unserem Konsumverhalten zu tun. Diese Lebensmittelverschwendung passiert entlang des gesamten Produktionsprozesses.

Oft fehlt es an Technik oder Geldern – oder beidem –, um Verlusten während der Lagerung, des Transports oder der Kühlung vorzubeugen. Das Problem ist größer, als es zunächst scheint: Es geht um die Verschwendung von Energie, Arbeitskräften und Land. Außerdem entstehen durch verschwendete Lebensmittel unnötige Emissionen: Setzt man diese ins Verhältnis zu den Ländern, wäre der Berg an weggeworfenem Essen der drittgrößte CO2-Emittent weltweit, direkt hinter den USA und China.

Warum liegt der Fokus von Supermarktketten und Lebensmittellieferanten nicht darin, diese Verschwendung vorzubeugen? Vielleicht braucht es da erst eine Studie, die zeigt: Essen retten lohnt sich auch finanziell extrem.

Genau zu diesem Ergebnis kommt eine Gruppe Wissenschaftler im Auftrag von Champions 12.3, einer Gruppe aus Verantwortlichen aus Regierungen, Unternhemen, Forschung, NGOs und der Landwirtschaft. Die Initiative ist nach dem Globalen Nachhaltigkeitsziel 12.3 der UN benannt, nach dem bis 2030 Lebensmittelverschwendung um die Hälfte reduziert werden soll.

Lebensmittel retten bringt saftige Renditen

In ihrer Untersuchung beziffern die Wissenschaftler Gewinne, die sich aus Investitionen in die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung ergeben. Dabei wurden 700 Unternehmen aus der Lebensmittelbranche in 120 Ländern untersucht. Das Ergebnis ist verblüffend: Bei 99 Prozent der Firmen fiel die Rendite dieser Investitionen positiv aus, mehr noch: Im Median zahlt sich jeder investierte Dollar mit 14 Dollarn wieder aus. Das heißt die Hälfte der untersuchten Unternehmen konnte sogar noch höhere Gewinne auf ihre Investitionen verzeichnen.

Die Projekte, in die das Geld gesteckt wurde, sind vielfältig. Unter anderem erhielten Mitarbeiter spezielles Training zum besseren Umgang mit den Lebensmitteln, die Lagerung wurde verbessert oder neue Standards für frische Lebensmittel eingeführt. Bei Bauern in Südostasien konnte man beispielsweise beobachten, dass etwa 20 Prozent der Tomaten während des Transport beschädigt und damit nicht mehr verkauft wurden. Eine verbesserte Verpackung konnten die Verluste um 90 Prozent senken.

Die Studie zeigt deutlich, dass der Kampf gegen Lebensmittelverschwendung nicht nur einem guten Zweck dient, sondern sich sogar im großen Stil rentiert.
Bleibt nur zu hoffen, dass mit dieser Motivation das formulierte Ziel näher rückt, die verschwendeten Lebensmittel zu halbieren – und irgendwann nicht mehr 815 Millionen Menschen weltweit hungern müssen.

Text: Elena Boeck. Der Artikel erschien erstmalig im enorm-magazin