Nachhaltig auswärts genießen – geht das? Oder muss man die eigenen Umwelt- und Sozialstandards zu Hause lassen? Nein, das muss man nicht.

Immer mehr Restaurants bemühen sich um faire und umweltfreundliche Menüs und um nachhaltiges Wirtschaften, besonders wenn Gäste dies wünschen.

Was macht ein Restaurant nachhaltig? 

Grob vereinfacht können diese drei Punkte als Leitfaden dienen:
Einkauf: Sind neben Qualität und Preis auch bio, fair, saisonal und regional Einkaufskriterien?
Umwelt: Wird in Küche und Restaurant auf sparsamen Wasser- und Energieverbrauch, Abfallvermeidung und Recycling geachtet?
Gesellschaft: Wie geht das Restaurant mit Mitarbeitern, Lieferanten, Gästen und Anwohnern um?

Wahl des Restaurants

Obwohl vieles davon für Gäste nicht direkt sichtbar ist, gibt es einfache Möglichkeiten, einiges darüber zu erfahren und die Nachhaltigkeit von Restaurants zu fördern: Wer für einen schönen Abend ein nachhaltiges Restaurant sucht, kann sich vorab informieren. Hier gibt Greentable einen guten Überblick. Zudem kann der Blick auf die Website des Restaurants vieles verraten: Welche Auszeichnungen hat das Restaurant? Wirbt das Restaurant mit Themen wie bio, fair, regional? Je mehr Infos sich dazu finden lassen, desto bewusster dürfte sich das Restaurant um Nachhaltigkeit bemühen.

Das Essen bewusst wählen

Viele von uns suchen das Restaurant eher nach Genuss, Ambiente oder Lage aus. Auch hier ist es möglich, auf Nachhaltigkeit zu achten – bei der Wahl des Essens. Das kann bei der Qual der Wahl auf der Speisekarte sogar eine Hilfe sein. Hier vier Tipps:

Tipp 1: Zu Hause schmeckt regional, saisonal, fair und bio besonders gut. Warum nicht auch auf der Speisekarte danach Ausschau halten und entsprechend bestellen?

Tipp 2: Wer stilles Wasser bestellen will, kann nach Leitungswasser fragen. Es ist in Blindtests vom Mineralwasser nicht zu unterscheiden und in der Ökobilanz unschlagbar – denn es wird ohne Verpackung frei Haus geliefert.

Tipp 3: Ein Blick auf die vegetarischen Gerichte lohnt sich immer. Vielleicht ist etwas Spannendes dabei? Und vielleicht motiviert die Regel „maximal dreimal pro Woche Fleisch“ dazu, die vegetarische Variante zu bestellen.

Tipp 4: Reicht der Hunger für eine ganze Portion? Sonst lieber eine kleine Portion bestellen. Das gilt nicht nur für Senioren und Kinder.

Das Gespräch suchen

Wer sich für die Herkunft der Lebensmittel oder Label interessiert, wird meist nicht alle Informationen auf der Karte finden. Ein Gespräch mit dem Personal bei der Bestellung hilft hier weiter. Dies ist nicht nur spannend für den Gast, es kann sogar den Essensgenuss steigern. Vor allem aber trägt es dazu bei, dass die Speisekarte des Restaurants künftig nachhaltiger wird. Denn Gastronomen sind sehr sensibel für Kundenwünsche. Restaurants mit internationaler Küche haben naturgemäß Schwierigkeiten, ihr Angebot in regional und saisonal auszurichten. Daher sollten hier verstärkt Label wie Fair Trade und Bio aus dem Herkunftsland im Fokus stehen. Das fördert die weltweite Solidarität.

Nicht nur bei der Wahl des Restaurants oder der Menüwahl gilt: Gespräche mit dem Personal sind äußerst wichtig. Wenn der Gastronom weiß, dass seine Gäste gerne nachhaltig essen, ermuntert ihn dies sicherlich, sich für Umwelt und soziale Gerechtigkeit zu engagieren. Daher ist auch Lob für das bestehende Engagement sehr wichtig. Ein einfacher Tipp für noch mehr Wirkung: Beim Bezahlen auf das Gespräch bei der Bestellung zurückkommen und mit der Bitte kombinieren, das Feedback dem Chef weiterzuleiten. Je mehr Gäste freundlich und regelmäßig Feedback geben, desto grösser die Wirkung. So wird aus einem schönen Abend außer Haus auch eine gute Tat für gelebte Nachhaltigkeit. Guten Appetit!

Quellenangabe: Wiebke Suter-Blume, Leiterin Nachhaltigkeit bei StopArmut.ch (Dieser Beitrag erschien erstmals im Magazin INSIST 1/2015)